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Re: Italien

Verfasst: 04.03.2012, 10:59
von AlexRE
Livia hat geschrieben:Sollten Deutschland und die anderen Gläubigerstaaten nicht mehr Unterstützung für die Länder an der Peripherie der Eurozone zeigen, könnten die Wähler dort «heftige Gegenbewegungen» anstossen, sagte Monti in einem Interview mit der Zeitung «Financial Times» (Dienstag).

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/ ... y/21990955
Heftige Gegenbewegungen der deutschen Wähler und Steuerzahler befürchtet offenbar niemand, weder die italienische noch die deutsche politische Klasse.

Die Deutschen sind tatsächlich politisch etwas unbeweglich, aber ich würde es lieber nicht als naturgesetzlich betrachten, dass das immer so bleiben muss.

Re: Italien

Verfasst: 04.03.2012, 16:51
von Livia
AlexRE hat geschrieben:
Livia hat geschrieben:Sollten Deutschland und die anderen Gläubigerstaaten nicht mehr Unterstützung für die Länder an der Peripherie der Eurozone zeigen, könnten die Wähler dort «heftige Gegenbewegungen» anstossen, sagte Monti in einem Interview mit der Zeitung «Financial Times» (Dienstag).

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/ ... y/21990955
Heftige Gegenbewegungen der deutschen Wähler und Steuerzahler befürchtet offenbar niemand, weder die italienische noch die deutsche politische Klasse.

Die Deutschen sind tatsächlich politisch etwas unbeweglich, aber ich würde es lieber nicht als naturgesetzlich betrachten, dass das immer so bleiben muss.
Ich finde diese Aussage von Monti eine Anmassung. Schliesslich hat sich Italien selbst zuzuschreiben, dass so hohe Schulden anstehen, so viel ich weiss hat Deutschland dabei nicht mitgeholfen.

Re: Italien

Verfasst: 04.03.2012, 19:24
von Staber
Livia hat geschrieben:Ich finde diese Aussage von Monti eine Anmassung. Schliesslich hat sich Italien selbst zuzuschreiben, dass so hohe Schulden anstehen, so viel ich weiss hat Deutschland dabei nicht mitgeholfen.
@Livia!
Grüezi :)
Bei jahrelagem dolce vita haben wir ja auch nicht helfen müßen. Das haben die Italiener ganz gut selbst hinbekommen. Monti soll erst mal sehen, daß er bei seinen Landsleuten Steuern eintreibt, bevor er wieder den leichteren Weg geht und nach deutschen Steuergeldern ruft.
Hätte man dort nicht jahrelang einen Politkasper zum Staatsoberhaupt gewählt, würde es heute vielleicht nicht ganz so schlimm aussehen !

gruß staber

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 11:05
von Livia
Staber hat geschrieben:
Livia hat geschrieben:Ich finde diese Aussage von Monti eine Anmassung. Schliesslich hat sich Italien selbst zuzuschreiben, dass so hohe Schulden anstehen, so viel ich weiss hat Deutschland dabei nicht mitgeholfen.
@Livia!
Grüezi :)
Bei jahrelagem dolce vita haben wir ja auch nicht helfen müßen. Das haben die Italiener ganz gut selbst hinbekommen. Monti soll erst mal sehen, daß er bei seinen Landsleuten Steuern eintreibt, bevor er wieder den leichteren Weg geht und nach deutschen Steuergeldern ruft.
Hätte man dort nicht jahrelang einen Politkasper zum Staatsoberhaupt gewählt, würde es heute vielleicht nicht ganz so schlimm aussehen !

gruß staber
Guten Morgen Staber, du glaubst dass das alles nur Berlusconi zuzuschreiben ist ? Wohl kaum, bei seiner Uebernahme war Italien bereits hoch verschuldet was seinen Vorgänger zu verdanken ist. Andreotti gewährte allen Imigranten die seit 35 Jahren im Ausland waren, eine Rente berechnet nach dem Lohn den sie in ihrer Wahlheimat erziehlt hatten, und das mit 13maliger Auszahlung. Schon das alleine waren immense Summen die dann vom Nachfolger gestoppt wurden. Rentenzahlungen ohne Beiträge war und ist heute noch Gang und Gäbe. Das Pflegepersonal erhält nach 15jähriger Tätigkeit eine lebenslange Rente. Ein Wohfahrtsstaat wie es ja auch in Griechenland üblich ist.

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 11:49
von AlexRE
Livia hat geschrieben:Guten Morgen Staber, du glaubst dass das alles nur Berlusconi zuzuschreiben ist ? Wohl kaum, bei seiner Uebernahme war Italien bereits hoch verschuldet was seinen Vorgänger zu verdanken ist. Andreotti gewährte allen Imigranten die seit 35 Jahren im Ausland waren, eine Rente berechnet nach dem Lohn den sie in ihrer Wahlheimat erziehlt hatten, und das mit 13maliger Auszahlung. Schon das alleine waren immense Summen die dann vom Nachfolger gestoppt wurden. Rentenzahlungen ohne Beiträge war und ist heute noch Gang und Gäbe. Das Pflegepersonal erhält nach 15jähriger Tätigkeit eine lebenslange Rente. Ein Wohfahrtsstaat wie es ja auch in Griechenland üblich ist.
Ich finde es wirklich erstaunlich, wie schnell Andreotti & Co. in der Wahrnehmung zumindest der außeritalienischen Öffentlichkeit verschwunden sind und "Bunga - Bunga" - Berlusconi als Sündenbock für die Gesamtsituation des Landes verantwortlich gemacht wird. Das ist um so bedauerlicher, dass dadurch ein für die Geschichte der Demokratie weltweit bedeutender Erfolg eines Volkssouveräns verwischt wird. Die Art und Weise, wie sich die Italiener von der alten mafiösen politischen Klasse befreit haben, könnte anderen Völkern als Vorbild dienen.

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 16:58
von Livia
Bild

Monti will Griechenlang gegenüber Härte zeigen

15.2.2012, 16:55 Uhr

Der italienische Regierungschef Mario Monti hat zur Lösung der europäischen Schuldenkrise eine Kombination von Haushaltsdisziplin und Wachstumsinitiativen empfohlen. Mit Griechenland ging Monti am Mittwoch in Strassburg vor dem EU-Parlament streng ins Gericht. Von sda

Die Härte gegenüber Athen sei möglicherweise übertrieben. "Doch die Politik der griechischen Regierung war über viele Jahre hinweg ein perfekter Katalog der schlimmsten Praktiken der Politik."

Monti nannte Korruption, Vetternwirtschaft und eine fehlende ordentliche Steuerpolitik als Beispiele. "Auch ich bin Kritiker bestimmter übertriebener Strenge", betonte er. Aber das gehe zulasten zukünftiger Generationen und man ruiniere sein eigenes Land.

Der Chef der sozialdemokratischen Fraktion, der Österreicher Hannes Swoboda, warf der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vor, Griechenland zu "erpressen" und dem Land kein Mitspracherecht zu geben. Athen brauche "Rat statt Diktat".

http://www.tageswoche.ch/de/2012_06/int ... al/389861/

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 17:20
von Livia
forexadler.de

Mario Montis freche Rufe nach Eurobonds

Der italienische Ministerpräsident wird nicht müde nach Eurobonds zu rufen. Nachdem er in der letzten Woche Deutschland als Anführer der EU-Intoleranz gegenüber der Zeitung „Die Welt“ brandmarkte, fordert er aktuelle in der „Financial Times“ die Deutschen zur Unterstützung seines Landes auf. Monti sucht breitere Schultern, um den drittgrößten Schuldenberg der Welt tragen zu können. Derweil steht der Euro Dollarkurs bei 1,2725 und beendet zaghafte Erholungstendenzen.

Weil die Märkte auch dem Nachfolger von Berlusconi kaum trauen, muss Italien immer noch deutlich höhere Zinsen zahlen als Deutschland. Zehnjährige Schuldtitel des Stiefellandes rentieren bei 6,49 Prozent, während deutsche Bundesanleihen wie ein Fels in der Brandung nach der Abstufungsorgie von Standard & Poor’s bei 1,78 Prozent rentieren. Von dieser Solidität will Monti nun etwas abhaben und verweist dabei auf „enorme Kraftanstrengungen“ der italienischen Bevölkerung.

Notfalls muss Italien raus

Monti will sich vom Norden durchfüttern lassen ohne seiner Bevölkerung „Rente mit 67“ und „Hartz 4“ zuzumuten. Er mutmaßt, wenn Italien fällt, dann könnte der Euro kaputt sein. Griechenlands Ex-Premier Papandreou hatte lange Zeit den gleichen Ansatz verfolgt, bis ihn Merkel und Sarkozy im Herbst vor dem G20 Gipfel in Cannes mit dem Euro-Rausschmiss drohten. Die Haltung der Italiener wird umso schizophrener, weil durch Eurobonds auch Euroländer wie die Slowakei, Slowenien und Estland für Italiens zwei Billionen Euro Schuldenberg haften würden.

Warum sollten diese Länder, die enorme Kraftanstrengungen unternommen haben, um in den Euro aufgenommen zu werden, italienische Babyrenten und Frühpensionierungen mitfanzieren? Es wird offenbar Zeit, dass „Merkozy“ auch den Italienern einmal deutlich macht, dass eine Eurozone auch ohne sie möglich ist. Dass Italiener und Griechen mit ihrer Euro-Erpresserhaltung der Gemeinschaftswährung auf ihrer Friedensmission ein Bein stellen, interessiert diese wenig. Spanien und Portugal zeigen in diesem Zusammenhang deutlich mehr Verantwortungsbereitschaft.

http://forexadler.de/mario-montis-frech ... -eurobonds

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 19:27
von Staber
AlexRE hat geschrieben: Die Art und Weise, wie sich die Italiener von der alten mafiösen politischen Klasse befreit haben, könnte anderen Völkern als Vorbild dienen.
@Alex!
Sollte man das jetzt so verstanden wissen, das in Italia die Korruption Geschichte ist? :?:

gruß staber

Re: Italien

Verfasst: 05.03.2012, 19:33
von AlexRE
Staber hat geschrieben:
AlexRE hat geschrieben: Die Art und Weise, wie sich die Italiener von der alten mafiösen politischen Klasse befreit haben, könnte anderen Völkern als Vorbild dienen.
@Alex!
Sollte man das jetzt so verstanden wissen, das in Italia die Korruption Geschichte ist? :?:

gruß staber
Nein, das soll heißen, dass die heutige "normale" Korruption, die sich vor der in Deutschland qualitativ kaum abhebt, ein Witz ist im Vergleich zu der totalen Mafiaherrschaft zu Androttis Zeiten und dass ich deswegen für Berlusconi - bashing eher wenig Verständnis habe.

Re: Italien

Verfasst: 06.03.2012, 22:29
von AlexRE
Italiens Fiskus spürt eine Million Phantomhäuser auf


In der Euro-Krise macht Italiens Fiskus verstärkt Jagd auf Steuersünden. Aus der Luft glichen sie die Grundbücher mit der Realität ab - und fanden einige Abweichungen. Nun gehen hohe Steuernachforderungen raus.

(...)

„Diese außerordentlichen Ergebnisse haben wir mit innovativen Technologien erreicht, die wir zum ersten Mal angewendet haben“, erklärte die Chefin der Agentur, Gabriella Alemanno. Jetzt sei der Kampf gegen Steuerhinterziehung noch effizienter geworden, ergänzte Fabrizia Lapecorella, die Generaldirektorin der Liegenschaftsagentur.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf den Stand zum Ende 2011, für das erste Quartal stünde noch die Prüfung von 368.664 weiteren Objekten aus, die nirgendwo angemeldet sind, so die Agentur.
Spitzenreiter – wie zur Bestätigung bekannter Vorurteile - ist der Süden. In Neapel wurden 37.519 „Geisterimmobilien“ entdeckt, mit einem Ertrag von mehr als 29 Millionen Euro. Danach folgen Cosenza, Salerno und Reggio Calabria.
http://www.handelsblatt.com/politik/int ... 93434.html

Wer hätte das gedacht, wenn sowohl das Ausschmarotzen anderer Staaten aus außenpolitischen Gründen als auch das Auszehren von Arbeitern und Rentnern aus innenpolitischen Gründen an unüberwindliche Grenzen stößt, finden sich plötzlich doch noch wirksame Mittel gegen Steuerhinterzieher. :roll: